Probleme beim Wasserlassen: Ursachen beim Mann und was hilft

Schwacher Harnstrahl, Nachträufeln, Pressen oder Urinverlust: mögliche Ursachen beim Mann, was Beckenboden und Blasentraining bringen und wann es ein Notfall ist.

Ein klarer Waldbach, der zwischen moosbewachsenen Steinen hindurchfließt
Kurz gesagt

Probleme beim Wasserlassen sind bei Männern ab 50 häufig. Typisch sind ein verzögerter Start, ein schwacher oder unterbrochener Harnstrahl, Nachträufeln und das Gefühl, die Blase sei nicht leer. Meist steckt eine gutartige Prostatavergrößerung dahinter, möglich sind auch eine Harnröhrenverengung, Entzündungen oder Medikamente. Können Sie gar kein Wasser mehr lassen, ist das ein Notfall.

Wie funktioniert das Wasserlassen beim Mann?

Die Blase sammelt den Urin, bis ihre Dehnung ab einer bestimmten Füllung den Harndrang auslöst. Beim Wasserlassen zieht sich der Blasenmuskel zusammen, während sich der Schließmuskel und der Beckenboden entspannen. Der Urin fließt dann durch die Harnröhre ab.

Beim Mann ist die Harnröhre deutlich länger als bei der Frau und verläuft direkt unter der Blase mitten durch die Prostata. Deshalb wirkt sich alles, was die Prostata vergrößert oder entzündet, so schnell auf das Wasserlassen aus. Und weil die Harnröhre zum Ende hin bogenförmig verläuft, bleibt nach dem Wasserlassen leichter ein Rest darin zurück.

Welche Probleme beim Wasserlassen gibt es?

  • Verzögerter Start: Es dauert, bis der Urin zu fließen beginnt.
  • Schwacher, dünner oder unterbrochener Harnstrahl und eine verlängerte Dauer des Wasserlassens.
  • Pressen: Sie müssen mit der Bauchmuskulatur nachhelfen.
  • Restharngefühl: Die Blase fühlt sich nach dem Wasserlassen nicht leer an.
  • Nachträufeln: Kurz nach dem Wasserlassen gehen noch einige Tropfen ab.
  • Häufiger oder plötzlicher Harndrang – mehr dazu unter häufiger Harndrang.
  • Ungewollter Urinverlust (Inkontinenz).
  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, meist ein Hinweis auf eine Entzündung.

Welche Ursachen haben Probleme beim Wasserlassen?

  • Gutartige Prostatavergrößerung: Bei Männern ab 50 die häufigste Ursache. Die wachsende Prostata engt die Harnröhre ein – siehe Prostata vergrößert.
  • Harnröhrenverengung (Striktur): Narben, etwa nach Entzündungen, Verletzungen oder Eingriffen mit einem Katheter, können die Harnröhre verengen. Typisch ist ein sehr dünner, manchmal gespaltener Strahl, auch bei jüngeren Männern.
  • Prostataentzündung oder Harnwegsinfekt: meist mit Brennen, Schmerzen und manchmal Fieber.
  • Medikamente: Manche Mittel schwächen die Blasenentleerung, etwa bestimmte Antidepressiva, Antihistaminika und abschwellende Erkältungsmittel.
  • Nervenerkrankungen: Diabetes, Multiple Sklerose, Parkinson oder Rückenmarksschäden können die Steuerung der Blase stören.
  • Blasen- oder Harnsteine, seltener Tumoren.

Was bedeutet ein schwacher Harnstrahl beim Mann?

Ein etwas schwächerer Harnstrahl ist im Alter normal, weil Blasenmuskel und Harnröhre an Spannkraft verlieren. Wird er aber deutlich dünner, bricht er ab oder müssen Sie pressen, steckt meist ein Hindernis dahinter – am häufigsten die Prostata, seltener eine Harnröhrenverengung. Auch eine Blasenmuskulatur, die nicht mehr kräftig genug arbeitet, kann die Ursache sein.

In der urologischen Praxis lässt sich das gut messen: Bei der Harnstrahlmessung lassen Sie in einen Trichter Wasser, ein Gerät zeichnet die Flussrate auf. Per Ultraschall wird anschließend geprüft, wie viel Urin in der Blase zurückbleibt.

Warum tropft es beim Mann nach dem Wasserlassen nach?

Nachträufeln ist sehr verbreitet und meist harmlos. Ein kleiner Rest Urin bleibt im bogenförmigen Teil der Harnröhre hinter dem Hodensack und läuft erst ab, wenn Sie sich bewegen. Mit dem Alter und bei schwächerem Beckenboden kommt das häufiger vor.

Was hilft: Lassen Sie sich Zeit und spannen Sie nach dem Wasserlassen kurz den Beckenboden an. Viele Männer streichen außerdem mit den Fingern vom Damm hinter dem Hodensack nach vorn entlang der Harnröhre aus. Tropft es dagegen ständig oder verlieren Sie größere Mengen, lassen Sie das ärztlich abklären.

Welche Formen von Inkontinenz gibt es beim Mann?

Inkontinenz bedeutet ungewollten Urinverlust. Bei Männern kommen vor allem drei Formen vor, die unterschiedlich behandelt werden:

Formen der Harninkontinenz beim Mann. Welche vorliegt, klärt die urologische Untersuchung.
FormWas passiert?Typische Ursache
DranginkontinenzPlötzlicher, starker Drang; der Urin geht ab, bevor die Toilette erreicht istÜberaktive Blase, oft zusammen mit einer vergrößerten Prostata
ÜberlaufinkontinenzDie Blase wird nie leer und läuft tröpfchenweise überAbflusshindernis, meist die Prostata, oder ein schwacher Blasenmuskel
BelastungsinkontinenzUrinverlust beim Husten, Niesen, Heben oder AufstehenGeschwächter Schließmuskel, vor allem nach einer Prostataoperation

Die Überlaufinkontinenz ist tückisch, weil sie wie eine schwache Blase wirkt, in Wahrheit aber eine übervolle Blase ist. Sie gehört immer in ärztliche Behandlung. Nach einer Prostataoperation bessert sich die Belastungsinkontinenz bei vielen Männern in den folgenden Monaten, gezieltes Beckenbodentraining kann diesen Verlauf unterstützen.

Was hilft bei Problemen beim Wasserlassen?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, deshalb steht die ärztliche Untersuchung an erster Stelle. Diese Maßnahmen sind darüber hinaus gut untersucht oder bewährt:

  • Beckenbodentraining: Bei Inkontinenz nach einer Prostataoperation und bei Nachträufeln ist es die wichtigste Maßnahme. Am besten lernen Sie die Übungen in der Physiotherapie, damit Sie wirklich die richtigen Muskeln anspannen.
  • Blasentraining: Toilettengänge nach Plan und den Drang schrittweise etwas länger überbrücken – vor allem bei Drangbeschwerden.
  • Zeit lassen und zweimal entleeren: Nach dem Wasserlassen kurz warten und es noch einmal versuchen. Manchen Männern mit vergrößerter Prostata gelingt die Entleerung im Sitzen besser.
  • Trinkgewohnheiten anpassen: Ausreichend, aber über den Tag verteilt trinken, abends weniger. Kaffee und Alkohol reduzieren.
  • Medikamente überprüfen lassen: Ob ein Mittel das Wasserlassen erschwert, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
  • Medizinische Behandlung: je nach Ursache Medikamente, die Erweiterung oder Operation einer Harnröhrenverengung oder ein Eingriff an der Prostata.

Für kein Nahrungsergänzungsmittel ist belegt, dass es den Harnstrahl verbessert oder gegen Inkontinenz hilft.

Wann sind Probleme beim Wasserlassen ein Notfall?

Noch am selben Tag ärztlich abklären lassen sollten Sie außerdem:

  • Fieber oder Schüttelfrost zusammen mit Beschwerden beim Wasserlassen
  • sichtbares Blut im Urin
  • Urinverlust zusammen mit Taubheitsgefühl im Gesäß- oder Genitalbereich oder plötzlicher Schwäche in den Beinen

Häufige Fragen

Was tun, wenn man nicht urinieren kann?

Kommt trotz voller Blase gar kein Urin, ist das ein Notfall: Wenden Sie sich sofort an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder die Notaufnahme, bei starken Schmerzen an den Rettungsdienst (112). Warten Sie nicht ab, ob es von allein besser wird. Kommt dagegen zwar Urin, aber nur mühsam, lassen Sie es zeitnah in der Praxis abklären.

Ist es normal, ein paar Tropfen Urin zu verlieren?

Ein paar Tropfen direkt nach dem Wasserlassen sind bei vielen Männern normal und meist harmlos. Verlieren Sie Urin beim Husten oder Heben, auf dem Weg zur Toilette oder ständig tröpfchenweise, ist das eine Inkontinenz, die sich oft gut behandeln lässt.

Können Probleme beim Wasserlassen psychisch bedingt sein?

Ja. Anspannung, Zeitdruck oder fremde Menschen in der Nähe können es schwer machen, das Wasserlassen in Gang zu bringen. Treten die Probleme jedoch neu auf oder nehmen sie zu, sollte zuerst eine körperliche Ursache ausgeschlossen werden.

Hilft Wärme bei Problemen beim Wasserlassen?

Eine Wärmflasche auf dem Unterbauch kann Blase und Beckenboden entspannen und das Wasserlassen erleichtern. Sie ersetzt aber nicht die Abklärung der Ursache.

Welcher Arzt hilft bei Problemen beim Wasserlassen?

Zuständig sind Urologinnen und Urologen. Erste Anlaufstelle kann auch die Hausarztpraxis sein. Bringen Sie, wenn möglich, ein Blasentagebuch der letzten zwei bis drei Tage und eine Liste Ihrer Medikamente mit.

Quellen

  1. Urologische Stiftung Gesundheit – Erschwertes Wasserlassen: Ursachen, Soforthilfe und Behandlung
  2. Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Urologie – Erschwertes Wasserlassen
  3. gesund.bund.de – Gutartige Prostatavergrößerung
  4. Deutsche Kontinenz Gesellschaft

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