Prostata vergrößert: Symptome, Untersuchung und was hilft

Gutartige Prostatavergrößerung: wie häufig sie ist, welche Symptome typisch sind, wie sie untersucht und behandelt wird und wann ein Harnverhalt zum Notfall wird.

Ein gefaltetes weißes Handtuch, ein Farn im Tontopf und ein Keramikbecher auf einem Holzbord in einem hell gefliesten Badezimmer
Kurz gesagt

Eine vergrößerte Prostata ist meist eine gutartige Prostatavergrößerung (BPH): Das Drüsengewebe wächst mit dem Alter und kann die Harnröhre einengen. Typisch sind ein schwacher Harnstrahl, häufiger Harndrang und nächtliches Wasserlassen. Sie ist kein Krebs und erhöht das Krebsrisiko nicht. Behandelt wird je nach Beschwerden mit Abwarten, Medikamenten oder einer Operation. Kein Nahrungsergänzungsmittel ist als Behandlung belegt.

Was ist eine gutartige Prostatavergrößerung?

Bei der gutartigen Prostatavergrößerung – medizinisch benigne Prostatahyperplasie (BPH) – wächst das Gewebe im inneren Teil der Prostata. Weil die Prostata die Harnröhre umschließt, kann sie diese einengen und den Abfluss aus der Blase behindern. Verursacht die Vergrößerung Beschwerden, sprechen Ärztinnen und Ärzte auch vom benignen Prostatasyndrom (BPS).

Die genauen Ursachen sind nicht geklärt. Sicher ist, dass das Alter und die männlichen Geschlechtshormone eine zentrale Rolle spielen. Vor dem 40. Lebensjahr ist eine Prostatavergrößerung selten.

Wie häufig ist eine vergrößerte Prostata?

Sehr häufig. Nach Angaben von gesund.bund.de hat etwa jeder fünfte Mann zwischen 50 und 59 Jahren Beschwerden durch eine vergrößerte Prostata. Bei Männern über 70 sind es bis zu sieben von zehn. Die Vergrößerung selbst ist noch verbreiteter, denn nicht jede verursacht Probleme.

Wie groß die Prostata ist, sagt wenig über die Beschwerden aus. Manche Männer mit deutlich vergrößerter Prostata merken kaum etwas, andere haben schon bei geringer Vergrößerung Probleme.

Welche Symptome hat eine vergrößerte Prostata?

Fachleute unterscheiden zwei Gruppen von Beschwerden, die oft gemeinsam auftreten:

Typische Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrößerung. Ähnliche Symptome können auch andere Ursachen haben.
EntleerungsbeschwerdenSpeicherbeschwerden
Das Wasserlassen kommt verzögert in GangHäufiger Harndrang tagsüber
Schwacher, dünner oder unterbrochener HarnstrahlNachts mehrmals aufstehen müssen (Nykturie)
Pressen beim WasserlassenPlötzlicher, starker Harndrang
Nachträufeln und das Gefühl, die Blase sei nicht leerManchmal ungewollter Urinverlust

Ausführlicher geht es um diese Beschwerden in unseren Artikeln zu häufigem Harndrang und zu Problemen beim Wasserlassen.

Ist eine vergrößerte Prostata gefährlich oder Krebs?

„Gutartig“ bedeutet: Es handelt sich nicht um Krebs. Eine gutartige Prostatavergrößerung ist auch keine Vorstufe von Prostatakrebs und erhöht das Risiko dafür nicht. Beide Erkrankungen können aber gleichzeitig vorkommen, weil beide mit dem Alter häufiger werden – deshalb gehören neue Beschwerden immer in ärztliche Abklärung.

Ernst werden kann eine Prostatavergrößerung, wenn die Blase dauerhaft nicht mehr richtig leer wird. Dann können sich Harnwegsinfekte, Blasensteine oder im ungünstigen Fall ein Rückstau bis zu den Nieren entwickeln. Solche Komplikationen sind ein Grund, die Beschwerden nicht über Jahre einfach hinzunehmen.

Wie wird eine Prostatavergrößerung untersucht?

Die Untersuchung beginnt in der Regel in der Hausarzt- oder Urologiepraxis mit wenigen, gut erträglichen Schritten:

  • Gespräch und Fragebogen: Oft mit dem Internationalen Prostata-Symptomen-Score (IPSS), der die Stärke der Beschwerden in Punkten erfasst. Hilfreich ist eine Strichliste über ein bis zwei Tage, wann und wie viel Sie trinken und Wasser lassen.
  • Medikamentenliste: Manche Mittel, etwa bestimmte Antidepressiva oder Erkältungsmittel, können Beschwerden beim Wasserlassen auslösen.
  • Tastuntersuchung: Über den Enddarm beurteilt die Ärztin oder der Arzt Größe und Beschaffenheit der Prostata.
  • Urintest: schließt eine Entzündung oder Blut im Urin aus.
  • PSA-Wert: Er ist bei einer vergrößerten Prostata oft leicht erhöht und muss deshalb vorsichtig gedeutet werden – mehr unter PSA-Wert.
  • Harnstrahlmessung und Ultraschall: zeigen, wie kräftig der Urin fließt, wie groß die Prostata ist und ob nach dem Wasserlassen Urin in der Blase bleibt (Restharn).

Was hilft bei einer vergrößerten Prostata?

Die Behandlung richtet sich danach, wie stark die Beschwerden Sie belasten und ob Komplikationen drohen. Grob gibt es drei Stufen:

  • Kontrolliertes Abwarten: Bei leichten Beschwerden ohne Komplikationen reichen oft Änderungen im Alltag und etwa einmal im Jahr eine Kontrolle. Dazu gehört, abends weniger zu trinken, Kaffee und Alkohol zu reduzieren und die Blase in Ruhe vollständig zu entleeren. Laut gesund.bund.de reicht das bei etwa 30 von 100 Männern mit leichten Beschwerden aus.
  • Medikamente: Alpha-Blocker wie Tamsulosin entspannen die Muskulatur von Prostata und Blasenhals und wirken meist innerhalb weniger Tage. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid oder Dutasterid können eine deutlich vergrößerte Prostata verkleinern, brauchen dafür aber etwa ein halbes Jahr. Beide werden auch kombiniert; bei starkem Harndrang kommen weitere Mittel hinzu.
  • Operation: Reichen Medikamente nicht oder gibt es Komplikationen wie wiederholten Harnverhalt, wird störendes Gewebe entfernt – klassisch durch die Harnröhre (TUR-P) oder mit dem Laser. Auch neuere, schonendere Verfahren gibt es. Weil Eingriffe Nebenwirkungen haben können, etwa auf den Samenerguss, sollten Sie Nutzen und Risiken gründlich besprechen.

Und was ist mit pflanzlichen Mitteln und Nahrungsergänzung? Laut gesund.bund.de sind die meisten pflanzlichen Präparate kaum untersucht, manche zeigen keine Wirkung auf die Beschwerden, und die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt sie nicht routinemäßig. Für kein Nahrungsergänzungsmittel ist belegt, dass es eine Prostatavergrößerung behandelt. Was wirklich hilft, klären Sie am besten mit Ihrer urologischen Praxis.

Kann eine vergrößerte Prostata wieder kleiner werden?

Von allein schrumpft die Prostata in aller Regel nicht. Medikamente aus der Gruppe der 5-Alpha-Reduktase-Hemmer können eine deutlich vergrößerte Prostata innerhalb von etwa sechs Monaten verkleinern, solange man sie einnimmt. Durch eine Operation wird störendes Gewebe entfernt. Für Lebensmittel, Hausmittel oder Nahrungsergänzungsmittel ist nicht belegt, dass sie die Prostata verkleinern.

Kann eine vergrößerte Prostata den Stuhlgang beeinflussen?

Die Prostata liegt direkt vor dem Enddarm. Eine gutartige Vergrößerung wächst aber vor allem nach innen zur Harnröhre hin und führt nur selten zu Problemen beim Stuhlgang. Umgekehrt kann eine Verstopfung Blasenbeschwerden verstärken: Ein voller Enddarm drückt auf Blase und Harnröhre, und starkes Pressen belastet den Beckenboden. Ballaststoffreiche Kost, ausreichend Flüssigkeit über den Tag und Bewegung helfen gegen Verstopfung.

Neu aufgetretene Veränderungen beim Stuhlgang, Blut im Stuhl oder Schmerzen gehören unabhängig von der Prostata in ärztliche Abklärung.

Wann ist eine vergrößerte Prostata ein Notfall?

Ein Harnverhalt ist insgesamt selten: Laut gesund.bund.de betrifft er innerhalb von fünf Jahren etwa 1 bis 3 von 100 Männern mit Prostatavergrößerung. Auslöser können zum Beispiel Alkohol, langes Einhalten, Kälte oder bestimmte Medikamente sein.

Häufige Fragen

Was darf man bei einer Prostatavergrößerung nicht trinken?

Verboten ist nichts, aber Kaffee, schwarzer Tee, Cola und Alkohol regen die Harnproduktion an und können die Blase reizen. Viele Männer mit vergrößerter Prostata kommen besser zurecht, wenn sie diese Getränke reduzieren und am Abend generell weniger trinken. Über den Tag sollten Sie trotzdem ausreichend trinken.

Was darf man bei einer Prostatavergrößerung nicht essen?

Eine spezielle Diät gibt es nicht. Manche Männer bemerken, dass scharfe Speisen die Blase reizen. Sinnvoll ist eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, die Übergewicht und Verstopfung vorbeugt. Mehr dazu unter Ernährung für die Prostata.

Helfen Kürbiskerne bei einer vergrößerten Prostata?

Kürbiskerne sind ein gesundes Lebensmittel. Zu Kürbissamen-Extrakten bei Prostatabeschwerden gibt es nur wenige, meist kleine Studien mit gemischten Ergebnissen. Dass sie eine Prostatavergrößerung behandeln oder die Prostata verkleinern, ist nicht belegt. Lassen Sie Beschwerden deshalb ärztlich abklären, statt sie selbst zu behandeln.

Beeinflusst eine vergrößerte Prostata das Sexualleben?

Die Vergrößerung selbst führt nicht zwangsläufig zu Erektionsproblemen, beides tritt im Alter aber oft gemeinsam auf. Manche Medikamente und Operationen können den Samenerguss verändern, zum Beispiel weniger Ejakulat. Sprechen Sie das vor der Behandlung offen an.

Wie lange dauert es, bis Medikamente gegen die Prostatavergrößerung wirken?

Alpha-Blocker wie Tamsulosin wirken meist innerhalb weniger Tage bis Wochen. 5-Alpha-Reduktase-Hemmer brauchen mehrere Monate, bis sich die Prostata verkleinert und die Beschwerden nachlassen.

Quellen

  1. gesund.bund.de – Gutartige Prostatavergrößerung: Behandlung
  2. Gesundheitsinformation.de (IQWiG) – Gutartige Prostatavergrößerung
  3. Deutsche Gesellschaft für Urologie (Urologenportal) – Was tun, wenn die Prostata wächst? (Patienteninformation)
  4. Gesundheitsinformation.de (IQWiG) – Wie funktioniert die Prostata?
  5. Krebsinformationsdienst (DKFZ) – Prostatakrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung

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