Prostata: Lage, Funktion und die häufigsten Beschwerden

Was die Prostata macht, warum sie im Alter wächst, wie sich Prostatavergrößerung, Entzündung und Krebs unterscheiden und wann Sie zum Arzt sollten.

Ein glatter Stein auf gefalteten Leinentüchern neben einem Glas Wasser auf einem hellen Holztisch am Fenster
Kurz gesagt

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist eine etwa kastaniengroße Drüse unterhalb der Harnblase, die die Harnröhre umschließt. Sie bildet einen Teil der Samenflüssigkeit. Mit dem Alter wächst sie bei vielen Männern gutartig, was das Wasserlassen erschweren kann. Neue oder zunehmende Beschwerden beim Wasserlassen sollten Sie ärztlich abklären lassen – Blut im Urin, Fieber oder ein Harnverhalt sofort.

Was ist die Prostata und wo liegt sie?

Die Prostata, auf Deutsch auch Vorsteherdrüse genannt, gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes. Sie ist etwa so groß wie eine Kastanie und wiegt rund 30 Gramm.

Sie sitzt direkt unterhalb der Harnblase und oberhalb des Beckenbodens. Die Harnröhre verläuft mitten durch sie hindurch. Hinter der Prostata liegt der Enddarm – deshalb kann die Ärztin oder der Arzt sie durch die Darmwand abtasten.

Welche Aufgaben hat die Prostata?

Die Prostata hat vor allem mit der Fortpflanzung zu tun, beeinflusst durch ihre Lage aber auch das Wasserlassen:

  • Samenflüssigkeit: Sie bildet einen Teil der Flüssigkeit, die zusammen mit den Spermien aus den Hoden das Ejakulat ergibt.
  • Samenerguss: Ihre Muskelfasern pressen die Samenflüssigkeit beim Orgasmus in die Harnröhre.
  • Ventil: Beim Samenerguss verschließt sie zusammen mit dem Blasenschließmuskel den Weg zur Blase. Beim Wasserlassen sorgt sie umgekehrt dafür, dass kein Urin in die Samenwege gelangt.
  • Hormone: In der Prostata wird Testosteron in seine wirksamere Form Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt.

Die Prostata bildet außerdem das prostataspezifische Antigen (PSA), ein Eiweiß, das die Samenflüssigkeit verflüssigt. Kleine Mengen davon gelangen ins Blut – darauf beruht der PSA-Test.

Warum wird die Prostata im Alter größer?

Ab etwa dem 40. Lebensjahr beginnt bei vielen Männern das Gewebe im Inneren der Prostata langsam zu wachsen. Warum genau, ist nicht vollständig geklärt. Eine wichtige Rolle spielen die Geschlechtshormone, vor allem DHT, deren Gleichgewicht sich im Alter verschiebt.

Dieses Wachstum ist gutartig und so häufig, dass es fast zum Älterwerden dazugehört. Laut gesund.bund.de ist etwa jeder fünfte Mann zwischen 50 und 59 Jahren betroffen, bei den über 70-Jährigen haben bis zu sieben von zehn Beschwerden. Weil die Prostata die Harnröhre umschließt, kann sie beim Wachsen auf sie drücken. Mehr dazu lesen Sie unter Prostata vergrößert.

Welche Prostataerkrankungen gibt es?

Drei Erkrankungen sind am häufigsten. Sie können ähnliche Beschwerden machen, haben aber nichts miteinander zu tun:

Die drei häufigsten Prostataerkrankungen im Überblick. Welche Ursache hinter Beschwerden steckt, kann nur eine ärztliche Untersuchung klären.
ErkrankungWas passiert?Typische Anzeichen
Gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH)Das Drüsengewebe wächst gutartig und kann die Harnröhre einengen. Kein Krebs.Schwacher Harnstrahl, häufiger Harndrang, nächtliches Wasserlassen, Nachträufeln
Prostataentzündung (Prostatitis)Eine Entzündung der Prostata, akut oft durch Bakterien, manchmal auch chronisch.Schmerzen im Damm oder Unterbauch, Brennen beim Wasserlassen; bei akuter Entzündung Fieber
Prostatakrebs (Prostatakarzinom)Ein bösartiger Tumor, meist langsam wachsend. Die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland.Im frühen Stadium meist keine Beschwerden

Wichtig: Eine gutartige Prostatavergrößerung ist keine Vorstufe von Krebs. Umgekehrt verursacht Prostatakrebs in frühen Stadien selten Probleme beim Wasserlassen, weil er meist im äußeren Teil der Drüse entsteht. Beschwerden allein sagen deshalb wenig darüber, was dahintersteckt.

Welche Beschwerden beim Wasserlassen sind normal und welche nicht?

Dass der Harnstrahl mit den Jahren etwas schwächer wird oder man nachts einmal aufsteht, ist bei vielen älteren Männern normal. Die meisten Menschen gehen tagsüber etwa vier- bis sechsmal zur Toilette. Lassen Sie es ärztlich abklären, wenn sich etwas deutlich verändert oder Sie im Alltag stört:

  • Sie müssen deutlich öfter als früher oder mehrmals pro Nacht zur Toilette – siehe häufiger Harndrang.
  • Das Wasserlassen kommt schwer in Gang, der Strahl ist dünn oder bricht ab, oder die Blase fühlt sich nicht leer an – siehe Probleme beim Wasserlassen.
  • Sie verlieren ungewollt Urin.
  • Es brennt oder schmerzt beim Wasserlassen oder beim Samenerguss.

Wann sollten Sie mit Prostatabeschwerden sofort zum Arzt?

Bei allen anderen Beschwerden ist die Hausarztpraxis oder eine urologische Praxis die richtige Anlaufstelle. Hilfreich ist es, vorher ein bis zwei Tage lang aufzuschreiben, wann und wie viel Sie trinken und Wasser lassen, und eine Liste Ihrer Medikamente mitzubringen.

Was sagt der PSA-Test über die Prostata aus?

Der PSA-Test misst die Menge des prostataspezifischen Antigens im Blut. Ein erhöhter Wert kann auf Prostatakrebs hinweisen, ist aber häufig auch bei einer gutartigen Vergrößerung, einer Entzündung oder nach einem Samenerguss erhöht. Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie empfiehlt Männern ab 45 Jahren, die nach einer Beratung eine Früherkennung wünschen, einen PSA-Test. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen bislang nur die jährliche Tastuntersuchung ab 45, von der Fachgesellschaften zur Früherkennung inzwischen abraten, weil sie zu ungenau ist. Den PSA-Test zur Früherkennung bezahlen Sie in der Regel selbst. Alles zu Normalwerten und dem weiteren Vorgehen lesen Sie unter PSA-Wert.

Wie können Sie Ihre Prostata gesund halten?

Eine Ernährung, ein Präparat oder eine Übung, die eine Prostatavergrößerung oder Prostatakrebs sicher verhindert, gibt es nicht. Laut Krebsinformationsdienst gibt es auch keine spezielle Ernährungsweise gegen Prostatakrebs. Fachleute empfehlen stattdessen die allgemeinen Regeln der Krebsvorbeugung, die auch Herz und Gefäße schützen: ein gesundes Körpergewicht, regelmäßige Bewegung, eine gesunde Ernährung und wenig Alkohol.

Was die Forschung über Tomaten, Lycopin und Kürbiskerne sagt, haben wir unter Ernährung für die Prostata zusammengefasst. Und warum Zink und Selen für Männer wichtig sind, aber keine Prostatamittel, lesen Sie unter Zink und Selen.

Häufige Fragen

Wo hat man Schmerzen, wenn die Prostata weh tut?

Schmerzen, die von der Prostata ausgehen, spüren Männer meist im Damm zwischen Hodensack und After, im Unterbauch, in der Leiste oder im unteren Rücken. Oft kommen Brennen beim Wasserlassen oder Schmerzen beim Samenerguss hinzu. Häufigste Ursache ist eine Prostataentzündung. Mit Fieber gehören solche Schmerzen noch am selben Tag in ärztliche Behandlung.

Haben Frauen auch eine Prostata?

Nein, eine Prostata haben nur Männer. Frauen haben um die Harnröhre herum kleine Drüsen, die Skene-Drüsen, die entwicklungsgeschichtlich mit der Prostata verwandt sind und manchmal als „weibliche Prostata“ bezeichnet werden.

Wie groß ist eine normale Prostata?

Eine gesunde Prostata ist etwa kastaniengroß und wiegt rund 30 Gramm. Mit dem Alter nimmt das Volumen bei vielen Männern zu. Wie groß die Prostata ist, sagt allerdings wenig über die Beschwerden aus: Manche Männer mit großer Prostata haben kaum Probleme, andere schon bei geringer Vergrößerung.

Welcher Arzt ist für die Prostata zuständig?

Fachärzte für die Prostata sind Urologinnen und Urologen. Die erste Anlaufstelle kann aber auch die Hausarztpraxis sein, die Sie bei Bedarf überweist.

Ab wann sollte ein Mann zur Prostata-Früherkennung?

Gesetzlich Versicherte haben ab 45 Jahren einmal im Jahr Anspruch auf die Früherkennungsuntersuchung beim Arzt. Die S3-Leitlinie empfiehlt Männern ab 45, die eine Früherkennung wünschen, nach einer Beratung einen PSA-Test – das gilt auch bei Prostatakrebs in der Familie. Nur bei bekannten Genveränderungen wie BRCA2 raten Fachleute, schon mit 40 zu beginnen.

Quellen

  1. Gesundheitsinformation.de (IQWiG) – Wie funktioniert die Prostata?
  2. gesund.bund.de – Gutartige Prostatavergrößerung
  3. gesund.bund.de – Prostatakrebs
  4. Krebsinformationsdienst (DKFZ) – Prostatakrebs: Früherkennung und PSA-Wert
  5. Krebsinformationsdienst (DKFZ) – Prostatakrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung
  6. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) – Erhöhte oder häufige Harnausscheidung

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