Ashwagandha-Nebenwirkungen: Risiken, Leber und wer verzichten sollte

Welche Nebenwirkungen Ashwagandha haben kann, woran Sie Leberprobleme erkennen, wer verzichten sollte und warum das BfR zur Zurückhaltung rät.

Eine getrocknete Ashwagandha-Wurzel neben einem aufgeschlagenen Buch und einem Glas Wasser auf einer hellen Fensterbank mit Grünpflanzen
Kurz gesagt

Berichtet werden vor allem Magen-Darm-Beschwerden, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit und Hautausschläge. Selten kam es zu Leberschäden bis hin zu akutem Leberversagen. Hinweisen zufolge kann Ashwagandha zudem Schilddrüse, Blutzucker und Hormone beeinflussen. Kinder, Schwangere, Stillende und Menschen mit Lebererkrankungen sollten verzichten. Das BfR rät auch allen anderen zur Zurückhaltung, weil eine sichere Aufnahmemenge bisher nicht feststeht.

Welche Nebenwirkungen hat Ashwagandha?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt als berichtete Akutfolgen von Ashwagandha-Präparaten:

  • Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
  • Benommenheit und Schläfrigkeit
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Hautausschläge

Wichtig zu wissen: In den Studien, die mögliche Vorteile untersucht haben, wurden unerwünschte Wirkungen nicht systematisch erfasst. Dass in Studien wenig Nebenwirkungen auffielen, ist deshalb kein Beleg für Unbedenklichkeit.

Kann Ashwagandha der Leber schaden?

Ja, das ist möglich. Seit 2017 wurden weltweit, auch aus Deutschland, Fälle von Leberschäden beschrieben, die mit Ashwagandha-Präparaten in Zusammenhang stehen könnten – darunter Fälle von akutem Leberversagen und laut Verbraucherzentrale eine Lebertransplantation. Die Beschwerden traten teils nach einer Woche, teils erst nach Monaten auf. Eine Fallserie aus Island und den USA beschrieb fünf Betroffene mit Gelbsucht und starkem Juckreiz, die zwei bis zwölf Wochen nach Beginn der Einnahme auftraten.

Wer eine bestehende oder frühere Lebererkrankung hat, sollte nach Empfehlung des BfR keine Ashwagandha-Präparate einnehmen.

Beeinflusst Ashwagandha die Schilddrüse und die Hormone?

Es gibt Hinweise darauf. Laut BfR können Ashwagandha-Präparate das Hormonsystem beeinflussen – genannt werden Cortisol, Blutzucker, Schilddrüsen- und Sexualhormone. Schon 2012 hatte das BfR Bedenken wegen möglicher Effekte auf die Schilddrüsenfunktion geäußert.

Wenn Sie eine Schilddrüsenerkrankung haben oder Schilddrüsenhormone einnehmen, besprechen Sie eine Einnahme vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. In Frankreich wird Menschen mit Schilddrüsen- und Herzerkrankungen von Ashwagandha abgeraten.

Wann sollte man Ashwagandha nicht einnehmen?

Nach den Empfehlungen von BfR und Verbraucherzentrale sollten verzichten:

  • Schwangere und Stillende – Daten zur Sicherheit fehlen; zudem wird Ashwagandha historisch eine Verwendung als Abtreibungsmittel nachgesagt.
  • Frauen mit Kinderwunsch – laut Verbraucherzentrale könnte in sehr früher Schwangerschaft das Risiko einer Fehlgeburt steigen.
  • Kinder und Jugendliche.
  • Menschen mit bestehender oder früherer Lebererkrankung.

Nur nach ärztlicher Rücksprache, wenn überhaupt:

  • bei Schilddrüsen- oder Herzerkrankungen,
  • bei Diabetes, weil der Blutzucker zu stark sinken könnte,
  • bei Autoimmunerkrankungen, weil Ashwagandha Hinweisen zufolge das Immunsystem beeinflussen kann,
  • bei hormonabhängigen Erkrankungen,
  • wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen.

Was darf man nicht mit Ashwagandha kombinieren?

Das BfR sieht Hinweise auf Wechselwirkungen mit Medikamenten, die den Blutzucker (Antidiabetika), den Blutdruck (Blutdrucksenker) und das Immunsystem (Immunsuppressiva) regulieren. Die Verbraucherzentrale rät außerdem, Ashwagandha nicht mit Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln oder Antiepileptika zu kombinieren, weil sich dämpfende Effekte verstärken könnten. Auch bei Schilddrüsenmedikamenten ist Vorsicht geboten.

Alkohol kann Schläfrigkeit verstärken und belastet ebenfalls die Leber. Wenn Sie Medikamente nehmen, fragen Sie vor der Einnahme in Ihrer Arztpraxis oder Apotheke nach.

Sollte man Ashwagandha vor einer Operation absetzen?

Sprechen Sie das unbedingt vorher ab. Ashwagandha kann müde machen, möglicherweise dämpfende Effekte von Beruhigungsmitteln verstärken und Hinweisen zufolge Blutzucker und Blutdruck beeinflussen. Sagen Sie dem Behandlungsteam beim Vorgespräch zu einer geplanten Operation, welche Nahrungsergänzungsmittel Sie nehmen, und fragen Sie, ob und wann Sie sie absetzen sollen.

Ist eine langfristige Einnahme sicher?

Das weiß man nicht. Die meisten Studien liefen höchstens zwölf Wochen, und mögliche Folgen einer längeren Einnahme sind nach Einschätzung des BfR nur unzureichend untersucht. Auch eine gesundheitlich unbedenkliche Aufnahmemenge konnte bisher nicht abgeleitet werden. Gestützt auf bisherige Bewertungen und Fallberichte empfehlen BfR und andere europäische Behörden, keine Ashwagandha-haltigen Präparate einzunehmen. Die Verbraucherzentrale nennt als Obergrenze höchstens 3 g Ashwagandha oder 10 mg Withanolide am Tag – in ihrem Marktcheck lagen die meisten Produkte mit Withanolid-Angabe darüber.

Warum ist Ashwagandha in Dänemark verboten?

Die dänische Lebensmittelbehörde hat Ashwagandha in Nahrungsergänzungsmitteln verboten. Vorausgegangen war eine Risikobewertung der Technischen Universität Dänemarks (DTU); als Bedenken gelten vor allem mögliche Effekte auf Schilddrüse und Sexualhormone sowie Risiken in der Schwangerschaft. Andere Länder gehen anders vor: Polen hat Höchstmengen eingeführt, Frankreich verlangt Warnhinweise. In Deutschland ist Ashwagandha in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt.

Auf EU-Ebene prüft die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gemeinsam mit den Mitgliedstaaten die Sicherheit; eine einheitliche Regelung gibt es bislang nicht. Was über Ashwagandha und die Studienlage bekannt ist, lesen Sie im Ratgeber Ashwagandha.

Häufige Fragen

Welche Nebenwirkungen treten beim Absetzen von Ashwagandha auf?

Typische Absetzerscheinungen sind nicht beschrieben. Studien haben das aber kaum untersucht. Wenn Sie Ashwagandha wegen Beschwerden wie Schlafproblemen oder Unruhe eingenommen haben, können diese nach dem Absetzen wieder auffallen – sprechen Sie dann mit Ihrer Hausarztpraxis.

Was passiert, wenn man Ashwagandha überdosiert?

Höhere Mengen erhöhen vermutlich das Risiko für Magen-Darm-Beschwerden, Schläfrigkeit und Schwindel. Eine sichere Höchstmenge ist nicht bekannt. Halten Sie sich an die Verzehrempfehlung auf der Packung und nehmen Sie nicht mehrere Ashwagandha-Produkte gleichzeitig.

Ist Ashwagandha bei Bluthochdruck geeignet?

Das sollten Sie ärztlich klären. Das BfR sieht Hinweise auf Wechselwirkungen mit Blutdrucksenkern, und bei Herzerkrankungen wird in Frankreich von Ashwagandha abgeraten.

Kann Ashwagandha Herzrasen auslösen?

Herzrasen gehört nicht zu den Beschwerden, die BfR und Verbraucherzentrale als typische Nebenwirkungen nennen. Weil Ashwagandha aber Hinweisen zufolge die Schilddrüsenhormone beeinflussen kann und Herzrasen viele Ursachen hat, gilt: Beenden Sie bei Herzrasen, Unruhe oder Zittern die Einnahme und lassen Sie die Beschwerden ärztlich abklären.

Verändert Ashwagandha die Leberwerte?

In den beschriebenen Fällen von Leberschäden waren die Leberwerte im Blut deutlich erhöht. Wenn Ihre Leberwerte auffällig sind und Sie Ashwagandha nehmen, sagen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Ashwagandha: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen Gesundheitsrisiken, Mitteilung 039/2024
  2. Verbraucherzentrale – Ashwagandha: Welche Wirkung hat es und wo können Gefahren liegen?
  3. Verbraucherzentrale NRW – Ashwagandha in Nahrungsergänzungsmitteln, Marktcheck-Bericht (April 2026)
  4. Deutsches Ärzteblatt – Bundesinstitut warnt vor Schlafbeerenpräparaten (2024)
  5. Björnsson HK et al. Ashwagandha-induced liver injury: A case series from Iceland and the US Drug-Induced Liver Injury Network. Liver Int, 2020

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