Testosteronmangel beim Mann: Symptome, Diagnose, Behandlung

Woran man einen Testosteronmangel erkennt, wie er mit zwei Blutwerten am Morgen festgestellt wird, welche Ursachen er hat und wie die Behandlung beim Arzt aussieht.

Ein grünes Notizbuch mit Stift auf einem hellen Holztisch, dahinter eine Topfpflanze
Kurz gesagt

Von einem Testosteronmangel (Hypogonadismus) sprechen Ärzte, wenn typische Beschwerden wie nachlassende Libido, Erektionsprobleme, Müdigkeit oder Muskelabbau mit einem zu niedrigen Testosteronwert zusammentreffen. Gemessen wird morgens, an zwei verschiedenen Tagen. Unter 8 nmol/l gilt der Wert als zu niedrig, 8 bis 12 nmol/l als Graubereich. Behandelt wird je nach Ursache: mit Gewichtsabnahme und Lebensstil oder einer ärztlich verordneten Testosterontherapie.

Was ist ein Testosteronmangel?

Medizinisch heißt ein Testosteronmangel beim Mann Hypogonadismus. Gemeint ist, dass der Körper nicht genug Testosteron bildet und daraus Beschwerden entstehen. Beides gehört zusammen: Ein niedriger Laborwert ohne Beschwerden ist für sich genommen noch keine behandlungsbedürftige Erkrankung – gerade bei Männern mit Übergewicht liegen die Werte häufig unter dem Normalbereich.

Welche Symptome hat ein Testosteronmangel?

Die Anzeichen entwickeln sich oft schleichend und lassen sich grob in drei Bereiche einteilen:

  • Sexuell: weniger Lust auf Sex, weniger Morgenerektionen, Erektionsprobleme.
  • Körperlich: Müdigkeit, nachlassende Muskelkraft, Gewichtszunahme mit mehr Bauchfett, Schlafprobleme.
  • Psychisch: Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme.

Wie wird ein Testosteronmangel festgestellt?

Die Diagnose stützt sich auf Beschwerden und Blutwerte. Das Blut wird in den Morgenstunden abgenommen, weil der Spiegel dann am höchsten ist. Ein auffälliger Wert wird an einem zweiten Tag kontrolliert. Häufig bestimmt die Praxis zusätzlich das freie Testosteron, das Bindungseiweiß SHBG, die Steuerhormone LH und FSH sowie Prolaktin. Daraus lässt sich ablesen, ob die Ursache in den Hoden oder in der Hirnanhangdrüse liegt.

Orientierungswerte für das Gesamttestosteron bei Männern, gemessen morgens an zwei Tagen.
GesamttestosteronEinordnung
unter 8 nmol/l (ca. 2,3 ng/ml)Mangel wahrscheinlich, wenn passende Beschwerden bestehen
8 bis 12 nmol/lGraubereich – freies Testosteron und Beschwerden entscheiden
über 12 nmol/l (ca. 3,5 ng/ml)Mangel unwahrscheinlich

Vor einer Behandlung werden außerdem das Blutbild (Hämatokrit), der PSA-Wert und die Prostata untersucht.

Welche Ursachen hat ein Testosteronmangel?

  • Primärer Hypogonadismus – die Hoden bilden zu wenig Testosteron, etwa nach einer Hodenentzündung, einer Verletzung, Chemo- oder Strahlentherapie, bei einem nicht behandelten Hodenhochstand oder angeboren wie beim Klinefelter-Syndrom.
  • Sekundärer Hypogonadismus – die Steuerung aus dem Gehirn ist gestört, zum Beispiel durch einen Tumor der Hirnanhangdrüse, einen erhöhten Prolaktinspiegel, Anabolika-Missbrauch oder die lange Einnahme von Opioiden und Kortison.
  • Funktioneller Mangel – ausgelöst durch Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Schlafapnoe oder andere chronische Erkrankungen. Er ist der häufigste Typ und kann sich bessern, wenn die Ursache behandelt wird.
  • Alter – ab etwa 40 sinkt der Spiegel um rund ein Prozent pro Jahr. Nur bei einem kleinen Teil der älteren Männer führt das zu einem behandlungsbedürftigen Mangel.

Welche Folgen kann ein unbehandelter Testosteronmangel haben?

Ein ausgeprägter, länger bestehender Mangel erhöht das Risiko für Knochenschwund (Osteoporose) und Blutarmut und begünstigt den Abbau von Muskelmasse. Zwischen niedrigem Testosteron, Übergewicht und Typ-2-Diabetes besteht zudem ein Teufelskreis: Das eine verstärkt das andere. Bei Männern mit Kinderwunsch kann ein Mangel die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Wie wird ein Testosteronmangel behandelt?

Bei einem funktionellen Mangel steht der Lebensstil an erster Stelle: Gewichtsabnahme, Bewegung, ausreichend Schlaf und weniger Alkohol. Wird eine zugrunde liegende Erkrankung wie Schlafapnoe oder Diabetes behandelt, steigt der Spiegel oft von selbst. Was Sie selbst tun können, steht unter Testosteron natürlich steigern.

Ist der Mangel gesichert und belastend, kann die Ärztin oder der Arzt eine Testosterontherapie verordnen – etwa als Gel, als Spritze in Abständen von einigen Wochen oder Monaten, seltener als Tabletten oder Pflaster. Testosteron ist verschreibungspflichtig. Bei einer Ursache in den Hoden ist die Therapie meist lebenslang nötig.

  • Nicht geeignet ist eine Testosterontherapie bei Kinderwunsch, denn zugeführtes Testosteron unterdrückt die Spermienbildung. Ebenso ausgeschlossen sind Prostata- oder Brustkrebs und ein Hämatokrit von 54 Prozent oder mehr. Bei schwerer Herzschwäche oder einer gutartigen Prostatavergrößerung wird im Einzelfall abgewogen.
  • Wichtigste Nebenwirkung ist ein Anstieg der roten Blutkörperchen (Hämatokrit), das Blut wird dicker. Auch Akne kann auftreten.
  • Kontrollen von Blutbild, Testosteronwert und Prostata sind anfangs etwa alle drei Monate nötig, später in größeren Abständen.

Eine große Studie (TRAVERSE) fand bei Männern mit nachgewiesenem Mangel kein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall unter Therapie. Für Männer mit normalen Werten bringt zusätzliches Testosteron dagegen keinen belegten Nutzen, nur Risiken.

Zu welchem Arzt geht man bei Verdacht auf Testosteronmangel?

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Sie kann die Blutwerte bestimmen und andere Ursachen wie eine Schilddrüsenerkrankung oder eine Depression abklären. Für die weitere Diagnostik und Therapie überweist sie in die Urologie, Andrologie oder Endokrinologie.

Häufige Fragen

Wie verhält sich ein Mann mit wenig Testosteron?

Viele Betroffene beschreiben weniger Lust auf Sex, Antriebslosigkeit, rasche Erschöpfung, Reizbarkeit und eine gedrückte Stimmung. Diese Veränderungen sind aber unspezifisch und erlauben keine Diagnose ohne Blutwerte.

Kann man einen Testosteronmangel selbst testen?

Nicht zuverlässig. Speichel- und Heimtests sind für eine Diagnose nicht geeignet. Es braucht eine Blutabnahme am Morgen, die an einem zweiten Tag wiederholt wird, und die Einordnung durch eine Ärztin oder einen Arzt.

Ist ein Testosteronmangel heilbar?

Ein funktioneller Mangel durch Übergewicht, Schlafmangel oder Alkohol bessert sich oft, wenn die Ursache beseitigt wird. Bei einer Schädigung der Hoden ist der Mangel meist dauerhaft und wird mit einer Hormontherapie ausgeglichen.

Kann ein Testosteronmangel Depressionen auslösen?

Ein Mangel kann mit gedrückter Stimmung und Antriebslosigkeit einhergehen. Umgekehrt kann eine Depression Beschwerden verursachen, die einem Testosteronmangel ähneln. Beides sollte ärztlich abgeklärt werden.

Zahlt die Krankenkasse eine Testosterontherapie?

Das hängt von der Diagnose und vom Einzelfall ab. Eine Behandlung ohne gesicherten Mangel ist medizinisch nicht angezeigt. Klären Sie die Kostenübernahme vorab mit Ihrer Praxis und Ihrer Krankenkasse.

Quellen

  1. BARMER – Testosteronmangel: Wenn Männern die Kraft ausgeht
  2. Deutsches Ärzteblatt – Testosteronmangel im Alter: Normal oder pathologisch?
  3. Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie – Altersbedingter Testosteronmangel (2025)
  4. Deutsche Gesellschaft für Urologie – Wann die Gabe von Testosteron im Alter sinnvoll ist

Weitere Artikel