Wechseljahre beim Mann: Gibt es die Andropause wirklich?
Haben Männer Wechseljahre? Was im Alter mit dem Testosteron passiert, welche Beschwerden oft andere Ursachen haben und wann sich ein Bluttest lohnt.

Wechseljahre wie bei Frauen gibt es beim Mann nicht. Die Hormonproduktion bricht nicht ab, sondern der Testosteronspiegel sinkt ab etwa 40 langsam, um rund ein Prozent pro Jahr. Die meisten Männer bleiben dabei im Normalbereich, nur ein kleiner Teil entwickelt einen behandlungsbedürftigen Altershypogonadismus. Beschwerden wie Müdigkeit, Lustlosigkeit oder Schlafprobleme haben häufig andere Ursachen und gehören ärztlich abgeklärt.
Kommen Männer in die Wechseljahre?
Nicht im eigentlichen Sinn. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie betont, dass es beim Mann keinen abgegrenzten hormonellen Einschnitt gibt. Begriffe wie „Andropause“, „Klimakterium virile“ oder „Wechseljahre des Mannes“ beschreiben eher, dass Männer mit dem Älterwerden Beschwerden bemerken, die sie mit ihren Hormonen in Verbindung bringen. Medizinisch korrekter ist der Begriff Altershypogonadismus (englisch late-onset hypogonadism) – und der betrifft nur einen Teil der Männer.
Was ist der Unterschied zu den Wechseljahren der Frau?
Bei Frauen stellen die Eierstöcke ihre Hormonproduktion innerhalb weniger Jahre weitgehend ein, die Fruchtbarkeit endet. Beim Mann laufen Hormon- und Spermienbildung weiter, nur langsam etwas schwächer. Viele Männer können bis ins hohe Alter Kinder zeugen.
Ab welchem Alter sinkt das Testosteron beim Mann?
Ab etwa 40 bis 45 Jahren, im Schnitt um 0,4 bis 1 Prozent pro Jahr. Über Jahrzehnte summiert sich das, doch die Spanne zwischen einzelnen Männern ist groß. Gewicht, Schlaf, Alkohol und chronische Erkrankungen beeinflussen den Wert oft stärker als das Alter selbst.
Welche Symptome werden den Wechseljahren des Mannes zugeschrieben?
- Weniger Lust auf Sex, weniger Morgenerektionen, Erektionsprobleme
- Müdigkeit, Antriebslosigkeit, nachlassende Leistungsfähigkeit
- Abnahme von Muskelkraft, Zunahme von Bauchfett
- Schlafprobleme, Schwitzen
- Reizbarkeit, gedrückte Stimmung, Konzentrationsprobleme
Am engsten mit einem echten Testosteronmangel verbunden sind die sexuellen Beschwerden. Die übrigen sind sehr unspezifisch.
Welche Beschwerden haben oft ganz andere Ursachen?
Viele Männer um die 50 haben mehrere Baustellen gleichzeitig. Häufig stecken dahinter:
- Stress und Überlastung in Beruf und Familie
- Gewichtszunahme, die ihrerseits den Testosteronspiegel senkt
- Schlechter Schlaf oder eine Schlafapnoe
- Depression oder Burn-out
- Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Erektionsprobleme können ein frühes Warnzeichen für Gefäßerkrankungen sein
- Alkohol und Medikamente
Was ist ein Altershypogonadismus und wie häufig ist er?
Von einem Altershypogonadismus spricht man, wenn bei einem älteren Mann typische Beschwerden – vor allem sexuelle – und ein wiederholt zu niedriger Testosteronwert zusammenkommen. In der großen europäischen EMAS-Studie traf das auf etwa 2 Prozent der Männer zwischen 40 und 79 Jahren zu; die Deutsche Gesellschaft für Urologie nennt für diese Altersgruppe 2 bis 5 Prozent. Niedrige Werte allein sind deutlich häufiger, gehen aber oft auf Übergewicht oder Krankheiten zurück. Mehr zur Diagnose unter Testosteronmangel.
Wann sollte man den Testosteronwert messen lassen?
Wenn Beschwerden, besonders nachlassende Lust und Erektionsprobleme, über Wochen bestehen. Die Hausarztpraxis bestimmt das Testosteron in einer Blutprobe am Morgen und wiederholt die Messung an einem zweiten Tag, bevor eine Diagnose gestellt wird. Gleichzeitig werden andere Ursachen abgeklärt. Speichel- und Heimtests sind dafür nicht geeignet.
Was hilft bei Beschwerden in den Wechseljahren des Mannes?
An erster Stelle steht der Lebensstil: Übergewicht abbauen, regelmäßig Krafttraining und Ausdauersport, ausreichend Schlaf, weniger Alkohol und Stress, kein Rauchen. Das bessert bei vielen Männern die Beschwerden und oft auch den Testosteronwert. Einzelheiten unter Testosteron natürlich steigern.
Eine Testosterontherapie kommt nur infrage, wenn ein Mangel durch wiederholte Messungen gesichert ist und Beschwerden verursacht. Sie ist verschreibungspflichtig und erfordert regelmäßige Kontrollen von Blutbild und Prostata. Für pflanzliche Mittel gegen „Wechseljahresbeschwerden“ beim Mann gibt es keine belastbaren Belege; sie sind kein Ersatz für eine Abklärung.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter kommen Männer in die Wechseljahre?
Einen festen Zeitpunkt gibt es nicht, weil es keine echten Wechseljahre gibt. Der Testosteronspiegel sinkt ab etwa 40 langsam. Beschwerden, die Männer damit verbinden, berichten viele erst ab etwa 50 oder 60.
Haben Männer in den Wechseljahren Hitzewallungen?
Selten. Hitzewallungen treten bei Männern vor allem bei sehr niedrigem Testosteron auf, zum Beispiel unter einer hormonunterdrückenden Behandlung bei Prostatakrebs. Neue nächtliche Schweißausbrüche sollten ärztlich abgeklärt werden, weil sie auch andere Ursachen haben können.
Wie lange dauern die Wechseljahre beim Mann?
Da es sich um einen langsamen, lebenslangen Rückgang handelt, gibt es keine Phase mit Anfang und Ende wie bei Frauen. Wie stark sich Beschwerden bemerkbar machen, hängt vor allem von Gesundheit und Lebensstil ab.
Gibt es einen Test für die Wechseljahre beim Mann?
Fragebögen wie die Aging Males’ Symptoms Scale können Beschwerden erfassen, ersetzen aber keine Diagnose. Entscheidend ist eine Blutprobe am Morgen, die an einem zweiten Tag wiederholt wird.
Wirken sich die Wechseljahre beim Mann auf die Psyche aus?
Ein Testosteronmangel kann mit Antriebslosigkeit und gedrückter Stimmung einhergehen. Häufiger stecken hinter seelischen Beschwerden in der Lebensmitte aber Stress, Schlafmangel oder eine Depression. Wer sich über Wochen niedergeschlagen fühlt, sollte mit der Hausarztpraxis sprechen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie – Altersbedingter Testosteronmangel: Keine „männlichen Wechseljahre“ – aber echte Symptome (2025)
- BARMER – Testosteronmangel: Wenn Männern die Kraft ausgeht
- Deutsche Gesellschaft für Urologie – Wann die Gabe von Testosteron im Alter sinnvoll ist (2016)
- Deutsches Ärzteblatt – Testosteronmangel im Alter: Normal oder pathologisch?
- Wu FC et al. Identification of late-onset hypogonadism in middle-aged and elderly men (EMAS). N Engl J Med, 2010



