Haarausfall bei Frauen: Ursachen und wann zum Arzt
Wie viel Haarausfall ist normal, welche Formen gibt es und welche Ursachen sollten Frauen abklären lassen? Ein Überblick – und welche Untersuchungen helfen.

Bis zu etwa 100 Haare am Tag zu verlieren ist normal. Häufige Ursachen für stärkeren Haarausfall bei Frauen sind erblich bedingter Haarausfall, vorübergehender Haarausfall nach Stress, Krankheit, Geburt oder Diät, Eisenmangel und Schilddrüsenerkrankungen. Fallen über Wochen deutlich mehr Haare aus oder entstehen kahle Stellen, lassen Sie die Ursache in der Hausarzt- oder Hautarztpraxis abklären.
Wie viel Haarausfall ist normal?
Jedes Haar durchläuft einen Zyklus aus Wachstum, Übergang und Ruhe, an dessen Ende es ausfällt und ein neues nachwächst. Deshalb ist es normal, jeden Tag etwa 50 bis 100 Haare zu verlieren. An Tagen mit Haarewaschen können es mehr sein, und im Herbst fallen bei vielen Menschen vorübergehend mehr Haare aus.
Ärztlich spricht man von Haarausfall, wenn über längere Zeit deutlich mehr Haare ausfallen oder das Haar sichtbar lichter wird.
Welche Formen von Haarausfall gibt es bei Frauen?
- Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie): die häufigste Form. Bei Frauen lichtet sich das Haar vor allem im Bereich des Mittelscheitels, der Haaransatz an der Stirn bleibt meist erhalten. Laut BfR können bis zum Alter von 70 Jahren rund 40 Prozent der Frauen betroffen sein; meist beginnt er erst nach den Wechseljahren.
- Diffuser Haarausfall (telogenes Effluvium): Die Haare fallen gleichmäßig verteilt aus, typischerweise zwei bis drei Monate nach einem Auslöser wie hohem Fieber, einer Operation, starkem Stress, einer Geburt oder einer Crash-Diät. Er ist meist vorübergehend.
- Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Es entstehen scharf begrenzte, kahle runde Stellen. Ursache ist eine Autoimmunreaktion, bei der das Immunsystem die Haarwurzeln angreift.
- Haarausfall durch Zug (Traktionsalopezie): Sehr straffe Frisuren, Zöpfe oder Extensions können auf Dauer die Haarwurzeln an Stirn und Schläfen schädigen.
Was sind die häufigsten Ursachen für Haarausfall bei Frauen?
Neben der Veranlagung gibt es eine Reihe von Ursachen, die sich ärztlich abklären lassen:
- Eisenmangel: Besonders bei Frauen mit starker Regelblutung, in der Schwangerschaft oder bei fleischarmer Ernährung. Auch ein niedriges Speichereisen (Ferritin) ohne Blutarmut wird mit Haarausfall in Verbindung gebracht.
- Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion können Haarausfall verursachen.
- Hormonelle Veränderungen: nach einer Geburt, nach dem Absetzen der Pille, in den Wechseljahren oder beim Polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS).
- Mangel an Vitamin B12 oder Vitamin D: Ein Mangel wird mit Haarausfall in Verbindung gebracht und lässt sich über das Blut feststellen.
- Medikamente: Zu den möglichen Auslösern gehören unter anderem bestimmte Blutgerinnungshemmer, Retinoide, Betablocker, einige Antidepressiva und Chemotherapien. Auch bei Abnehmspritzen (GLP-1-Medikamenten) wird Haarausfall berichtet, vermutlich durch den schnellen Gewichtsverlust. Setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit der verordnenden Praxis.
- Starker Gewichtsverlust, Diäten und Essstörungen.
Wann sollte ich mit Haarausfall zum Arzt?
- wenn über mehrere Wochen deutlich mehr Haare ausfallen als sonst
- wenn kahle Stellen entstehen oder die Kopfhaut sichtbar durchscheint
- wenn die Kopfhaut juckt, schmerzt, schuppt oder gerötet ist
- wenn weitere Beschwerden dazukommen, etwa Müdigkeit, Herzklopfen, Gewichtsveränderungen, Zyklusstörungen oder vermehrte Körperbehaarung
- wenn der Haarausfall nach einer Geburt länger als etwa ein halbes Jahr anhält
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis; für die genaue Diagnose ist die Hautarztpraxis zuständig, bei hormonellen Ursachen auch die Frauenarztpraxis.
Welche Untersuchungen macht der Arzt bei Haarausfall?
Am Anfang steht ein Gespräch über den Verlauf, Vorerkrankungen, Medikamente, Ernährung und belastende Ereignisse der letzten Monate. Danach schaut sich die Ärztin oder der Arzt Kopfhaut und Haare an, oft mit einem Auflichtmikroskop (Trichoskopie). Mit einem leichten Zugtest lässt sich prüfen, wie fest die Haare sitzen.
Je nach Verdacht folgen Blutuntersuchungen, etwa Blutbild und Ferritin, Schilddrüsenwerte (TSH), Vitamin B12 und Vitamin D sowie bei Verdacht auf PCOS Hormonwerte. Selten ist eine Gewebeprobe der Kopfhaut nötig.
Was hilft gegen Haarausfall bei Frauen?
Das hängt ganz von der Ursache ab. Ein nachgewiesener Eisenmangel oder eine Schilddrüsenerkrankung wird gezielt behandelt; danach kann das Haar wieder nachwachsen. Diffuser Haarausfall nach Stress oder einer Geburt bessert sich meist von selbst innerhalb einiger Monate.
Bei erblich bedingtem Haarausfall gibt es wirksame Behandlungen, allen voran Minoxidil zum Auftragen, gegebenenfalls ergänzt durch weitere Medikamente, die ärztlich verordnet werden. Kreisrunder Haarausfall wird in der Hautarztpraxis behandelt. Weil Haare langsam wachsen, zeigen alle Behandlungen erst nach Monaten Wirkung.
Nahrungsergänzungsmittel behandeln Haarausfall nicht. Das BfR sieht bei erblich bedingtem Haarausfall keinen zusätzlichen Nährstoffbedarf und empfiehlt ohne nachgewiesenen Mangel keine Präparate. Wurde ein Mangel festgestellt, legt die Praxis fest, was und wie viel. Mehr zu den Nährstoffen unter Vitamine für die Haare.
Häufige Fragen
Kann Stress Haarausfall auslösen?
Ja. Starker seelischer oder körperlicher Stress kann viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase schicken. Sie fallen dann etwa zwei bis drei Monate später aus. Meist wachsen die Haare nach, wenn der Auslöser vorbei ist.
Wie lange dauert Haarausfall nach der Geburt?
Er beginnt oft zwei bis vier Monate nach der Entbindung und bessert sich bei den meisten Frauen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Hält er länger an, lassen Sie unter anderem Eisen- und Schilddrüsenwerte prüfen.
Welche Autoimmunerkrankung kann Haarausfall verursachen?
Vor allem der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata). Auch Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie Hashimoto-Thyreoiditis und Lupus können mit Haarausfall einhergehen.
Wie oft sollte ich bei Haarausfall die Haare waschen?
So oft, wie es für Ihre Kopfhaut angenehm ist. Haarewaschen löst keinen Haarausfall aus – die Haare, die dabei ausgehen, hätten sich ohnehin gelöst. Verwenden Sie ein mildes Shampoo und gehen Sie sanft mit nassem Haar um.
Helfen Haarvitamine gegen Haarausfall?
Nein, nicht als Behandlung. Liegt ein Mangel vor, wird er gezielt ausgeglichen. Ohne Mangel ist nicht belegt, dass Vitamine oder Mineralstoffe Haarausfall stoppen.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Kann eine besondere Ernährung einen erblich bedingten Haarausfall aufhalten? (Stellungnahme Nr. 012/2025)
- Apotheken Umschau – Haarausfall: Ursachen, Diagnostik und Therapie
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Biotin: Supplemente können Laboruntersuchungen verfälschen (FAQ, 2026)



