Ernährung für die Prostata: Was Lycopin und Kürbiskerne bringen

Welche Ernährung der Prostata guttut, was Lycopin ist und worin es steckt, was Studien zu Tomaten und Kürbiskernen zeigen und welche Getränke die Blase reizen.

Bunte Tomaten, eine Schale Kürbiskerne, Walnüsse, Schwarzkohl, Spinat und eine Karaffe Wasser auf einem alten Holztisch
Kurz gesagt

Eine spezielle Prostata-Diät gibt es nicht. Fachleute empfehlen ein normales Körpergewicht und eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchten und guten Ölen sowie wenig Fleisch – wie zur allgemeinen Krebsvorbeugung. Tomaten mit Lycopin und Kürbiskerne werden erforscht, ein Nutzen für die Prostata ist aber nicht belegt. Kein Lebensmittel und kein Präparat verkleinert die Prostata oder verhindert Krebs.

Gibt es eine spezielle Ernährung für die Prostata?

Nein. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums hält klar fest, dass es keine spezielle Ernährungsweise zur Vorbeugung von Prostatakrebs gibt. Für die gutartige Prostatavergrößerung gilt dasselbe: Kein Lebensmittel verhindert oder behandelt sie.

Was die Ernährung aber kann: Übergewicht vorbeugen, die Blase nicht unnötig reizen und Verstopfung vermeiden – denn all das kann Beschwerden beim Wasserlassen verstärken. Und sie schützt Herz, Gefäße und Stoffwechsel, die im Alter ohnehin wichtiger werden als jedes einzelne „Prostata-Lebensmittel“.

Welche Lebensmittel sind gut für die Prostata?

Am besten untersucht ist kein einzelnes Lebensmittel, sondern ein Ernährungsmuster, wie es auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt und wie es der mediterranen Küche ähnelt:

  • Viel Gemüse und Obst, jeden Tag mindestens fünf Portionen und möglichst bunt.
  • Vollkorn und Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Kichererbsen – sie liefern Ballaststoffe, die auch Verstopfung vorbeugen.
  • Nüsse, Samen und pflanzliche Öle wie Raps- und Olivenöl statt viel tierischem Fett.
  • Fisch ein- bis zweimal pro Woche.
  • Wenig Fleisch und Wurst: Die DGE empfiehlt höchstens 300 Gramm pro Woche.

Ein normales Körpergewicht ist dabei wichtiger als jedes einzelne Lebensmittel: Übergewicht ist nach Daten des World Cancer Research Fund mit einem höheren Risiko für Prostatakrebs verbunden.

Was ist Lycopin und worin steckt es?

Lycopin ist ein roter Pflanzenfarbstoff aus der Gruppe der Carotinoide. Er gibt Tomaten ihre Farbe und ist ein Antioxidans, also ein Stoff, der im Reagenzglas freie Radikale abfängt. Anders als Beta-Carotin wird Lycopin im Körper nicht zu Vitamin A umgewandelt.

Die wichtigsten Lycopin-Quellen sind:

  • Tomatenprodukte: Tomatenmark, passierte Tomaten, Tomatensoße und Ketchup enthalten mehr Lycopin als frische Tomaten, weil sie konzentriert sind.
  • Frische Tomaten, vor allem reife, tiefrote Sorten.
  • Wassermelone, rosa Grapefruit, Guave und Papaya.

Gekocht und mit etwas Fett, zum Beispiel Olivenöl, kann der Körper Lycopin besser aufnehmen als aus rohen Tomaten. Beim Erhitzen werden die Zellwände aufgebrochen, und Lycopin ist fettlöslich.

Was sagt die Forschung zu Lycopin und Tomaten für die Prostata?

Einige Beobachtungsstudien haben gefunden, dass Männer, die viele Tomatenprodukte essen, etwas seltener an Prostatakrebs erkranken. Solche Studien zeigen aber nur einen Zusammenhang, keine Ursache: Wer viel Tomatensoße isst, lebt möglicherweise auch sonst anders. Andere Studien fanden keinen Zusammenhang, und Studien mit Lycopin-Präparaten haben keinen Nutzen belegt.

Unterm Strich ist nicht nachgewiesen, dass Lycopin oder Tomaten das Prostatakrebsrisiko senken, die Prostata verkleinern oder den PSA-Wert beeinflussen. Für Lycopin gibt es in der EU auch keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Tomaten sind trotzdem ein sehr gutes Gemüse – essen Sie sie gern, aber nicht als Medizin.

Was ist der Tomatentrick für die Prostata?

Mit dem „Tomatentrick“ ist in sozialen Medien und Ratgebern meist gemeint, regelmäßig gekochte Tomatenprodukte mit etwas Öl zu essen, weil Lycopin so besser aufgenommen wird. Das stimmt für die Aufnahme des Farbstoffs. Dass der Trick Prostatabeschwerden lindert oder vor Krebs schützt, ist dagegen nicht belegt. Wer verspricht, Tomaten würden die Prostata schrumpfen lassen, verspricht zu viel.

Helfen Kürbiskerne bei Prostatabeschwerden?

Kürbiskerne sind ein nährstoffreicher Snack mit Eiweiß, ungesättigten Fettsäuren, Magnesium und Zink. Mit der Prostata werden sie vor allem wegen Studien zu Extrakten aus Kürbissamen bei gutartiger Prostatavergrößerung in Verbindung gebracht. Diese Studien sind wenige, meist klein und kommen zu gemischten Ergebnissen. Ein Nutzen ist damit nicht belegt.

Laut gesund.bund.de sind die meisten pflanzlichen Mittel gegen Prostatabeschwerden kaum untersucht, und die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt sie nicht routinemäßig. Eine Handvoll Kürbiskerne im Müsli oder Salat ist eine gute Idee – als Ersatz für eine ärztliche Abklärung taugt sie nicht.

Welche Getränke sind bei Prostatabeschwerden ungünstig?

Bei einer vergrößerten Prostata oder häufigem Harndrang spielt das Trinken eine größere Rolle als das Essen. Kaffee, schwarzer und grüner Tee, Cola und Energydrinks enthalten Koffein, das die Harnproduktion anregt und die Blase reizen kann. Alkohol wirkt harntreibend und kann in größeren Mengen sogar einen Harnverhalt auslösen.

Trinken sollten Sie trotzdem ausreichend, etwa 1,5 Liter am Tag – am besten Wasser oder ungesüßten Kräutertee, über den Tag verteilt und am Abend weniger. Mehr Tipps finden Sie unter häufiger Harndrang.

Sollte man rotes Fleisch und Milchprodukte meiden?

Ganz meiden müssen Sie sie nicht. Ob rotes Fleisch das Risiko für Prostatakrebs erhöht, ist nicht eindeutig geklärt. Die DGE empfiehlt aber ohnehin, höchstens 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche zu essen, weil zu viel davon das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Darmkrebs erhöht. Bei sehr vielen Milchprodukten lässt sich laut Krebsinformationsdienst ein höheres Prostatakrebsrisiko nicht ausschließen. In normalen Mengen gehören Milch und Milchprodukte nach der DGE täglich zu einer ausgewogenen Ernährung.

Können Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel die Prostata verkleinern?

Nein. Für kein Lebensmittel und kein Nahrungsergänzungsmittel ist nachgewiesen, dass es eine vergrößerte Prostata verkleinert, Prostatakrebs verhindert oder den PSA-Wert senkt. Eine vergrößerte Prostata lässt sich nur mit bestimmten Medikamenten oder einem Eingriff verkleinern – mehr dazu unter Prostata vergrößert.

Häufige Fragen

Was sind die Top 3 Lebensmittel für die Prostata?

Eine Rangliste gibt es nicht, weil kein einzelnes Lebensmittel einen belegten Nutzen für die Prostata hat. Wenn Sie drei Dinge auswählen möchten: reichlich Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchte sowie pflanzliche Öle und Nüsse statt viel Fleisch und Wurst.

Sind Bananen gut für die Prostata?

Bananen sind ein gesundes Obst, haben aber keine besondere Wirkung auf die Prostata. Wie anderes Obst passen sie gut in eine ausgewogene Ernährung.

Sind Eier gut oder schlecht für die Prostata?

Für eine besondere Wirkung von Eiern auf die Prostata, ob positiv oder negativ, gibt es keine überzeugenden Belege. In üblichen Mengen gehören sie zu einer ausgewogenen Ernährung.

Ist Joghurt gut oder schlecht für die Prostata?

Normale Mengen Joghurt und andere Milchprodukte sind unbedenklich. Nur bei sehr hohem Milchkonsum lässt sich laut Krebsinformationsdienst ein höheres Prostatakrebsrisiko nicht ausschließen.

Hilft Granatapfel oder grüner Tee der Prostata?

Zu beiden gibt es Laborversuche und einige kleine Studien, aber keinen Nachweis, dass sie Prostatabeschwerden lindern, Krebs vorbeugen oder den PSA-Wert beeinflussen. Grüner Tee enthält außerdem Koffein, das die Blase reizen kann.

Quellen

  1. Krebsinformationsdienst (DKFZ) – Prostatakrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – DGE-Ernährungsempfehlungen
  3. gesund.bund.de – Gutartige Prostatavergrößerung: Behandlung
  4. World Cancer Research Fund – Diet, activity and prostate cancer

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