Zink und Selen für Männer: Wirkung, Bedarf und Höchstmengen
Was Zink und Selen im Körper des Mannes leisten, wie viel Sie brauchen, worin sie stecken, wann es zu viel wird – und warum sie keine Prostatamittel sind.

Zink trägt zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei, Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei. Beide tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Männer brauchen laut DGE täglich 11 bis 16 mg Zink und etwa 70 µg Selen. Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe zur Prostata gibt es für keines der beiden.
Was machen Zink und Selen im Körper?
Zink und Selen sind Spurenelemente: Der Körper braucht sie nur in kleinen Mengen, kann sie aber nicht selbst bilden. Beide sind Bestandteil zahlreicher Enzyme. Für folgende Wirkungen sind in der EU gesundheitsbezogene Angaben zugelassen:
| Zink | Selen |
|---|---|
| Zink trägt zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei. | Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei. |
| Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und einer normalen Reproduktion bei. | Selen trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. |
| Zink trägt zu einer normalen DNA-Synthese bei. | Selen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. |
| Zink trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. | |
| Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. |
Warum sind Zink und Selen für Männer besonders wichtig?
Drei der zugelassenen Angaben sind für Männer besonders interessant: Zink trägt zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei, Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und einer normalen Reproduktion bei, und Selen trägt zu einer normalen Spermabildung bei.
Wichtig ist das Wort „normal“: Wer ausreichend versorgt ist, hebt seinen Testosteronspiegel mit zusätzlichem Zink nicht über das normale Maß. Entscheidend ist, dass Sie genug bekommen – nicht möglichst viel. Männer haben außerdem einen höheren Zinkbedarf als Frauen, weshalb die DGE für sie höhere Referenzwerte angibt.
Helfen Zink und Selen der Prostata?
Nein, dafür gibt es keinen Nachweis. Die Prostata enthält zwar viel Zink, und Selen wird seit Jahren im Zusammenhang mit Prostatakrebs erforscht. Für keines der beiden Spurenelemente gibt es aber eine zugelassene Angabe zur Prostata, zum Wasserlassen oder zum PSA-Wert.
Die große amerikanische SELECT-Studie mit über 35.000 Männern hat untersucht, ob Selen in einer Dosis von 200 µg pro Tag vor Prostatakrebs schützt. Das Ergebnis: kein Schutz. Auch die Verbraucherzentrale schreibt, dass ein vorbeugender Effekt von Selen gegen Krebs wissenschaftlich nicht belegt ist. Bei Prostatabeschwerden gehört die Ursache ärztlich abgeklärt – mehr dazu unter Prostata.
Wie viel Zink und Selen braucht ein Mann pro Tag?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt für Zink unterschiedliche Werte an, je nachdem, wie viel Phytat Sie mit der Nahrung aufnehmen. Phytat steckt vor allem in Vollkorn und Hülsenfrüchten und hemmt die Aufnahme von Zink im Darm.
| Männer | Frauen | |
|---|---|---|
| Zink bei niedriger Phytatzufuhr (wenig Vollkorn, viel tierisches Eiweiß) | 11 mg | 7 mg |
| Zink bei mittlerer Phytatzufuhr | 14 mg | 8 mg |
| Zink bei hoher Phytatzufuhr (viel Vollkorn und Hülsenfrüchte, z. B. vegan) | 16 mg | 10 mg |
| Selen (Schätzwert) | 70 µg | 60 µg |
In welchen Lebensmitteln stecken Zink und Selen?
- Zink: Fleisch, Eier, Milch und Käse, Meeresfrüchte wie Austern, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen wie Kürbiskerne. Aus tierischen Lebensmitteln wird Zink besser aufgenommen. Einweichen, Keimen und Sauerteig senken den Phytatgehalt und verbessern die Aufnahme aus pflanzlichen Lebensmitteln. Eine ausführliche Liste finden Sie unter Zink in Lebensmitteln.
- Selen: Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und Eier sind die wichtigsten Quellen, unter anderem weil Tierfutter mit Selen angereichert wird. Pflanzliche Lebensmittel wie Kohl- und Zwiebelgemüse, Pilze, Spargel und Hülsenfrüchte enthalten je nach Selengehalt des Bodens sehr unterschiedliche Mengen.
- Paranüsse enthalten außergewöhnlich viel Selen. Die DGE rät wegen ihres natürlichen Gehalts an Radium, nicht mehr als zwei Paranüsse am Tag zu essen.
Wer bekommt zu wenig Zink oder Selen?
Ein echter Mangel ist bei gesunden Erwachsenen in Deutschland selten. Bei Selen liegt die durchschnittliche Zufuhr laut Verbraucherzentrale zwar nur bei etwa 30 bis 50 µg pro Tag und damit unter dem Schätzwert, ein klinisch relevanter Mangel ist dennoch selten. Ein erhöhtes Risiko für eine knappe Versorgung haben vor allem:
- Menschen, die sich vegan oder sehr einseitig ernähren
- ältere Menschen, die wenig essen
- Menschen mit chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, mit Dialyse oder nach Magen-Darm-Operationen
- Menschen mit hohem Alkoholkonsum
Ob ein Präparat für Sie sinnvoll ist, klären Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ein Bluttest allein zeigt den Zinkstatus übrigens nur ungenau. Mehr zu Anzeichen und Ursachen lesen Sie unter Zinkmangel.
Wie viel Zink und Selen ist zu viel?
| Zink | Selen | |
|---|---|---|
| Sichere Obergrenze pro Tag, alle Quellen (UL) | 25 mg | 255 µg (seit 2023, vorher 300 µg) |
| Vom BfR vorgeschlagene Höchstmenge pro Tagesdosis eines Nahrungsergänzungsmittels | 6,5 mg | 40 µg |
Besonders bei Zink wird es schnell eng, denn Männer nehmen schon mit der normalen Ernährung oft reichlich auf. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt deshalb bei Präparaten mit mehr als 3,5 mg Zink pro Tagesdosis den Hinweis, keine weiteren zinkhaltigen Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.
Kann man Zink und Selen zusammen einnehmen?
Ja, Zink und Selen werden häufig kombiniert. Achten Sie aber auf die Gesamtmenge aus allen Präparaten und Lebensmitteln. Zink kann die Aufnahme bestimmter Antibiotika (etwa Tetrazykline und Chinolone) und von Eisen beeinträchtigen. Halten Sie zu solchen Mitteln einige Stunden Abstand und fragen Sie in der Apotheke nach.
Nehmen Sie regelmäßig Medikamente, zum Beispiel gegen eine vergrößerte Prostata, oder haben Sie eine Nieren- oder Darmerkrankung, sprechen Sie vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Häufige Fragen
Wann sollte man Zink einnehmen?
Eine feste Uhrzeit gibt es nicht. Zink wird auf nüchternen Magen etwas besser aufgenommen, kann so aber Übelkeit auslösen – dann ist die Einnahme zu einer Mahlzeit besser. Halten Sie Abstand zu Eisenpräparaten, bestimmten Antibiotika und sehr phytatreichen Mahlzeiten wie Vollkornmüsli.
Sind 200 µg Selen am Tag zu viel?
Für ein Nahrungsergänzungsmittel ja: Das BfR schlägt höchstens 40 µg pro Tagesdosis vor. Mit der Ernährung nehmen Erwachsene in Deutschland laut Verbraucherzentrale bereits etwa 30 bis 50 µg auf. Mit 200 µg zusätzlich kämen Sie damit sehr nahe an die sichere Obergrenze von 255 µg pro Tag für die Gesamtzufuhr.
Was sind Zinkräuber?
Damit sind Faktoren gemeint, die die Zinkaufnahme hemmen oder die Verluste erhöhen: viel Phytat aus Vollkorn und Hülsenfrüchten, hoher Alkoholkonsum, chronischer Durchfall und Darmerkrankungen sowie manche Medikamente, etwa entwässernde Mittel. Auch hoch dosierte Eisenpräparate können die Zinkaufnahme verringern.
Erhöht Zink den Testosteronspiegel?
Zink trägt zur Erhaltung eines normalen Testosteronspiegels im Blut bei. Bei einem Zinkmangel kann der Testosteronspiegel sinken. Wer ausreichend versorgt ist, steigert seinen Testosteronspiegel durch zusätzliches Zink aber nicht.
Kann man Zink und Selen über die Ernährung decken?
Ja, mit einer abwechslungsreichen Ernährung gelingt das den meisten Männern. Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Nüsse liefern beide Spurenelemente. Bei veganer Ernährung lohnt es sich, gezielt auf Zink- und Selenquellen zu achten.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Referenzwerte Zink
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Referenzwerte Selen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Höchstmengenvorschläge für Zink in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Aktualisierung (2023): Höchstmengenvorschläge für Selen in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln
- Verbraucherzentrale – Selen: ein guter Schutz für unseren Körper
- Krebsinformationsdienst (DKFZ) – Prostatakrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung
- Lippman SM et al. (2009): Effect of selenium and vitamin E on risk of prostate cancer (SELECT). JAMA 301(1):39–51



