Vitamin-D-Überdosierung: Ab wann ist es zu viel?
Ab wie viel Mikrogramm wird Vitamin D zu viel, welche Symptome hat eine Überdosierung und wie entsteht sie? Die Obergrenzen von EFSA und BfR einfach erklärt.

Für Erwachsene gilt eine tolerierbare Obergrenze von 100 µg (4000 IE) Vitamin D pro Tag aus allen Quellen, für Kinder von 1 bis 10 Jahren 50 µg. Über Sonne oder normale Ernährung lässt sie sich nicht überschreiten, nur über Präparate. Eine Vergiftung entsteht durch sehr hohe Dosen über längere Zeit und zeigt sich durch zu viel Calcium im Blut, etwa mit Übelkeit, Erbrechen, starkem Durst und im schlimmsten Fall Nierenschäden.
Wie viel Vitamin D ist zu viel?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2023 die tolerierbare Obergrenze (Tolerable Upper Intake Level, UL) überprüft und bestätigt. Sie gilt für die gesamte tägliche Zufuhr aus Lebensmitteln, angereicherten Produkten und Präparaten.
| Alter | µg pro Tag | IE pro Tag |
|---|---|---|
| 0 bis 6 Monate | 25 µg | 1000 IE |
| 7 bis 11 Monate | 35 µg | 1400 IE |
| 1 bis 10 Jahre | 50 µg | 2000 IE |
| 11 bis 17 Jahre | 100 µg | 4000 IE |
| Erwachsene, auch Schwangere und Stillende | 100 µg | 4000 IE |
Die Obergrenze ist keine Empfehlung, sondern die Menge, bis zu der bei dauerhafter täglicher Zufuhr keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Zum Vergleich: Die DGE schätzt den Bedarf ohne Eigenbildung in der Haut auf 20 µg (800 IE), und das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 20 µg pro Tagesdosis.
Kann man durch Sonne oder Essen zu viel Vitamin D bekommen?
Nein. Über die Bildung in der Haut ist laut BfR und DGE keine Überdosierung möglich, und Lebensmittel enthalten nur kleine Mengen. Laut BfR lässt sich die Obergrenze bei üblicher Ernährung derzeit ausschließlich mit hochdosierten Präparaten überschreiten.
Was sind die Symptome einer Vitamin-D-Überdosierung?
Zu viel Vitamin D führt dazu, dass der Calciumspiegel im Blut steigt (Hyperkalzämie). Typische Anzeichen sind:
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Appetitlosigkeit
- gesteigerter Durst und vermehrter Harndrang
- anfangs oft Durchfall, später Verstopfung
- Müdigkeit, Muskelschwäche, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Gewichtsverlust
- Herzrhythmusstörungen
Hält die Hyperkalzämie länger an, können sich Nierensteine bilden und die Nieren verkalken – bis hin zu einer dauerhaft eingeschränkten Nierenfunktion. Bei solchen Beschwerden nach der Einnahme von Vitamin-D-Präparaten setzen Sie diese ab und lassen Calcium und Vitamin D im Blut ärztlich bestimmen.
Wie kommt es zu einer Überdosierung?
Fallberichte und Warnungen der Behörden nennen immer wieder dieselben Ursachen:
- Mehrere Präparate gleichzeitig – etwa ein Vitamin-D-Präparat plus ein Multivitamin plus ein Kombipräparat mit Vitamin K2.
- Verwechslung von µg und IE – 100 IE sind nur 2,5 µg, 100 µg dagegen 4000 IE.
- Tropfen falsch dosiert – bei hoch konzentrierten Tropfen macht jeder zusätzliche Tropfen viel aus.
- Wochen- oder Monatsdosen versehentlich täglich genommen – das BfR nennt dieses Risiko ausdrücklich bei Präparaten mit hohen Einzeldosen.
- Sehr hohe Dosen auf eigene Faust, etwa nach Internet-Protokollen. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft berichtete 2023 von einem Mann, der ein halbes Jahr lang täglich 60.000 IE Vitamin D3 genommen hatte und ein akutes Nierenversagen bei stark erhöhtem Calciumspiegel entwickelte.
Was passiert, wenn man täglich 5000 oder 20.000 IE Vitamin D nimmt?
5000 IE sind 125 µg und liegen damit über der Obergrenze von 100 µg. Laut BfR kann schon die langfristige Einnahme von 100 µg oder mehr pro Tag mit Risiken verbunden sein, etwa einer abnehmenden Knochendichte bei älteren Frauen, mehr Stürzen und einer schlechteren Herzfunktion bei Herzkranken.
20.000 IE (500 µg) sind das Fünffache der Obergrenze. Diese Menge gibt es als Arzneimittel, das zum Beispiel bei einem nachgewiesenen Mangel einmal pro Woche eingenommen wird – nicht täglich. Wer eine solche Dosis über längere Zeit täglich nimmt, liegt dauerhaft weit über der Obergrenze und riskiert eine Vergiftung mit erhöhtem Calciumspiegel. Nehmen Sie solche Dosen nur nach ärztlicher Anweisung und mit Kontrolle der Blutwerte.
Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen hat Vitamin D?
In üblichen Mengen von bis zu 20 µg am Tag ist Vitamin D gut verträglich und hat kaum Nebenwirkungen. Vorsicht ist bei bestimmten Medikamenten und Erkrankungen geboten. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke, wenn Sie:
- entwässernde Medikamente vom Thiazid-Typ einnehmen, die die Calciumausscheidung über die Niere verringern
- Herzglykoside (Digitalis-Präparate) einnehmen – bei erhöhtem Calciumspiegel steigt das Risiko für Herzrhythmusstörungen
- Mittel gegen Epilepsie wie Phenytoin oder Barbiturate, Glukokortikoide (Kortison) oder Rifampicin einnehmen, die die Wirkung von Vitamin D beeinträchtigen können
- eine Sarkoidose oder eine andere granulomatöse Erkrankung haben, bei der der Körper mehr aktives Vitamin D bildet
- Nierensteine, Kalkablagerungen in der Niere oder eine eingeschränkte Nierenfunktion haben
Wie baut man eine Vitamin-D-Überdosierung ab?
Der erste Schritt ist, alle Vitamin-D-haltigen Präparate abzusetzen. Weil Vitamin D im Fett- und Muskelgewebe gespeichert wird, sinkt der Spiegel danach nur langsam, oft über Wochen bis Monate. Wegen der langen Halbwertszeit können die Beschwerden laut Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft auch nach dem Absetzen noch lange anhalten. Ob weitere Maßnahmen nötig sind, etwa Infusionen oder Medikamente gegen den erhöhten Calciumspiegel, entscheidet die Ärztin oder der Arzt anhand der Blutwerte.
Wie Sie die passende Menge finden, steht unter Wie viel Vitamin D am Tag?
Häufige Fragen
Sind 50 µg Vitamin D am Tag zu viel?
50 µg (2000 IE) liegen unter der Obergrenze von 100 µg für Erwachsene, aber über der BfR-Empfehlung von höchstens 20 µg pro Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln. Für Kinder von 1 bis 10 Jahren sind 50 µg bereits die Obergrenze.
Wie merkt man, dass man zu viel Vitamin D im Körper hat?
Oft erst spät, an Beschwerden eines erhöhten Calciumspiegels wie Übelkeit, starkem Durst, häufigem Wasserlassen oder Muskelschwäche. Sicher feststellen lässt sich eine Überdosierung nur über Blutwerte für Calcium und 25-OH-D.
Kann man Vitamin D und Vitamin K2 überdosieren?
Vitamin D ja, wie beschrieben. Für Vitamin K2 schlägt das BfR in Nahrungsergänzungsmitteln höchstens 25 µg pro Tag vor. Wer gerinnungshemmende Medikamente nimmt, sollte Vitamin-K-haltige Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Mehr dazu unter Vitamin D3 und K2.
Wie lange dauert es, bis zu viel Vitamin D abgebaut ist?
Das hängt davon ab, wie hoch der Wert ist. Weil der Körper Vitamin D speichert, kann es Wochen bis Monate dauern. Die Arztpraxis verfolgt den Verlauf mit Blutkontrollen.
Quellen
- BfR – Vitamin D: Sonne und Bewegung fördern eine gute Versorgung (FAQ, 30.12.2025)
- BfR – Einnahme hoher Einzeldosen Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel im Abstand von Tagen oder Wochen birgt gesundheitliche Risiken (Stellungnahme 031/2025)
- Verbraucherzentrale – Kann man Vitamin D überdosieren?
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft – Vitamin-D3-Überdosierung nach Anwendung exzessiver Dosen im Rahmen des Coimbra-Protokolls (2023)
- gesund.bund.de – Vitamin-D-Mangel: Symptome, Vorbeugung, Behandlung (Abschnitt Überversorgung)
- Gebrauchsinformation Dekristol 20 000 I.E. Weichkapseln (Colecalciferol) – PatientenInfo-Service
- MSD Manual Ausgabe für Patienten – Vitamin-D-Überschuss



